Sieben Behörden, eine Jagd auf illegale Anbieter
Glücksspielregulierer aus sieben europäischen Ländern bündeln ihre Kräfte gegen das illegale Online-Glücksspiel. Eine gemeinsame Erklärung soll den grenzüberschreitenden Kampf gegen nicht lizenzierte Anbieter auf eine neue Stufe heben und erstmals auch die technischen Helfer im Hintergrund ins Visier nehmen.
Eine Erklärung aus Madrid
Am 25. November 2025 traten die Aufsichtsbehörden aus Österreich, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien, Portugal und Spanien mit einer gemeinsamen Erklärung gegen das illegale Online-Glücksspiel an die Öffentlichkeit. Unterzeichnet wurde das Papier bereits am 12. November 2025 bei einem Treffen in Madrid, das vom spanischen Regulierer DGOJ ausgerichtet wurde.
Der Zusammenschluss vereint einige der größten und am stärksten regulierten Glücksspielmärkte Europas. Dass diese Behörden ihre bislang weitgehend national geführten Maßnahmen zusammenlegen, markiert einen Wechsel im Umgang mit einem Problem, das sich seiner Natur nach nicht an Landesgrenzen hält. Nicht lizenzierte Anbieter operieren typischerweise aus dem Ausland, wechseln häufig die Domain und richten ihre Werbung gezielt auf Länder mit lukrativen Märkten aus.
Drei Säulen der Zusammenarbeit
Die Erklärung steht auf drei tragenden Säulen. Erstens soll der Austausch von Informationen über illegale Anbieter systematisiert werden, damit Erkenntnisse aus einem Land den übrigen Behörden zeitnah zur Verfügung stehen. Zweitens planen die Regulierer koordinierte Beschwerden an Social-Media-Plattformen, über die ein erheblicher Teil der Werbung für nicht lizenzierte Angebote läuft. Drittens wollen die Behörden ihre Erkennungsmethoden vereinheitlichen, um illegale Angebote nach vergleichbaren Kriterien zu identifizieren.
Um diesen Austausch nicht im Behördenalltag versanden zu lassen, benennt jeder Regulierer einen eigenen Verbindungsoffizier. Diese Ansprechpartner sollen einen Austausch in Echtzeit ermöglichen, statt auf langwierige formelle Amtswege angewiesen zu sein. Damit entsteht ein Netzwerk fester Kontaktpunkte, das schnelles Handeln erlaubt, wenn ein Anbieter in mehreren Ländern zugleich auftaucht.
Der neue Ansatz: an der Infrastruktur ansetzen
Der wohl bemerkenswerteste Teil der Erklärung betrifft die Stoßrichtung der Durchsetzung. Bisher zielten Maßnahmen vor allem auf die Anbieter selbst, etwa durch Domainsperren oder Bußgelder. Der neue Ansatz wird als infrastructure-level enforcement beschrieben, also als Vorgehen auf Ebene der Infrastruktur.
Gemeint ist damit, dass die Behörden künftig stärker bei den technischen und kommerziellen Vermittlern ansetzen wollen, die das illegale Angebot überhaupt erst tragen. Dazu zählen Affiliates, die mit ihren Webseiten Spieler an nicht lizenzierte Anbieter heranführen, Zahlungsdienstleister, die Ein- und Auszahlungen abwickeln, sowie weitere technische Vermittler im Hintergrund. Die Überlegung dahinter ist einleuchtend: Wer einem illegalen Anbieter die Werbepartner, die Zahlungswege und die technische Anbindung entzieht, trifft das Geschäftsmodell härter als mit einer einzelnen Domainsperre, die binnen Tagen umgangen sein kann.
Ein Bericht als Bewährungsprobe
Damit die Erklärung nicht bei Absichten bleibt, haben die Behörden einen konkreten Prüfstein gesetzt. Für Dezember 2026 ist ein erster gemeinsamer Bericht angekündigt, der messbare Ergebnisse dokumentieren soll, etwa die Zahl gesperrter Domains und entfernter Werbung. An diesen Kennzahlen wird sich ablesen lassen, ob aus der Ankündigung tatsächlich koordinierte Durchsetzung wird.
Mittelfristig soll die Allianz wachsen. Niederlande, Schweden und Dänemark sind als nächste Beitrittskandidaten genannt und sollen 2027 hinzukommen. Damit würde der Verbund einen noch größeren Teil der regulierten europäischen Märkte abdecken und den Druck auf nicht lizenzierte Anbieter weiter erhöhen.
Einordnung
Die gemeinsame Erklärung ist zunächst eine politische Absichtserklärung, kein verbindliches Gesetz. Ihre Wirkung hängt davon ab, wie konsequent die beteiligten Behörden die drei Säulen mit Leben füllen und wie belastbar der angekündigte Bericht im Dezember 2026 ausfällt. Bemerkenswert ist gleichwohl, dass sich die Regulierer auf einen gemeinsamen Feind verständigt haben und dabei den Blick auf die Infrastruktur des illegalen Marktes richten, statt nur die sichtbaren Anbieter zu verfolgen.
Wie groß der illegale Markt in Europa überhaupt ist, bleibt umstritten und hängt stark von Methode und Auftraggeber der jeweiligen Schätzung ab. Diese Debatte um die Größe des illegalen Marktes ist eng mit der Frage verknüpft, mit welchen Mitteln die Aufsicht vorgehen darf, etwa über gerichtlich geprüfte Netzsperren. Auch einzelne Länder gehen eigene Wege, wie das belgische Werbeverbot zeigt.
